Chapter 80: Was Ryan verloren hatte
Ryan blieb stehen, weil er das Foto im Schaufenster der Galerie erkannte, und brauchte einen Augenblick, um zu begreifen, weshalb.
Er war auf dem langen Weg von der Bushaltestelle zum Haus seiner Eltern gewesen – eine Gewohnheit, die er sich in den vergangenen Wochen angeeignet hatte, diese zusätzlichen zwanzig Minuten Bewegung im winterlichen Nachmittagslicht, denn Bewegung war zu einer Form des Bewältigens für jene Stunden geworden, in denen etwas bewältigt werden musste, aber keine Aufgaben mehr zu erledigen waren. Er kam regelmäßig an der Galerie vorbei, ohne sie anzusehen. Heute sah er hin.
Das Ausstellungsplakat zeigte eine Schwarz-Weiß-Fotografie von vier Objekten aus der Sammlung, die vor einem hellen Hintergrund in der reduzierten Ästhetik einer ernst zu nehmenden Galerie arrangiert waren, die ihre Werke ernst nahm. Links unten auf dem Plakat stand eine Bildunterschrift: *Lena Moretti: Ausgewählte Werke aus einer Privatsammlung.* Daten. Uhrzeiten. Die Adresse der Galerie.
Eine Weile stand er auf dem Gehweg vor dem Fenster.
Er dachte nicht darüber nach, was es bedeutete, dass ihre Sammlung in einer internationalen Galerieausstellung gezeigt wurde, oder was es über die Entfernung aussagte, die zwischen dem Ort, an dem sie beide sich vor fünf Jahren befunden hatten, und ihren heutigen Positionen lag. Er war über jene Art des Denkens hinaus, die jede Information über sie mithilfe der Maschinerie seiner eigenen Lage verarbeitete.
Er betrachtete einfach das Foto. Seine Qualität. Die besondere Art, auf die die vier Objekte angeordnet worden waren, um etwas über den Blick zu vermitteln, der sie ausgewählt hatte – die erforderliche Geduld, das Selbstvertrauen eines Menschen, der nicht die Zustimmung der Anordnung benötigte, bevor er sich auf sie festlegte.
Er dachte an eine Frau, die vor einem Gemälde stand, dem sonst niemand im Raum Aufmerksamkeit schenkte, und einem Fremden erklärte, dass sie bewusst unter der Katalogschätzung geboten hatte, weil sie nicht sicher gewesen war, ob der Raum begriff, was er vor sich hatte.
Er dachte an eine Frau, die Orangen von einem Marmorboden aufsammelte.
Er dachte daran, dass es derselbe Mensch war – wie sehr sie derselbe Mensch war und wie wenig er das je deutlich erkannt hatte, bis beide Bilder durch alles voneinander getrennt waren, was geschehen war.
Vielleicht zwei Minuten lang stand er am Fenster.
Dann drehte er sich um und ging zur Bushaltestelle.
Er sah nicht zum Plakat zurück.
Es gab nichts, das sich durch seinen Blick klären ließ. Die Ausstellung gehörte ihr. Die Sammlung gehörte ihr. Das Gebäude auf dem Plakat und der Name unter dem Foto und alles, was zu diesen beiden Dingen geführt hatte, gehörten ihr – aufgebaut in den Jahren, in denen er nicht hingesehen hatte, aufgebaut aus Materialien, deren Wert er niemals erkannt hätte.
Der Bus kam pünktlich.
Er stieg ein.